PRESSEMITTEILUNG: Wer Phosphorrückgewinnung verschiebt, riskiert wirtschaftliche Nachteile
DPP fordert konsequentes Handeln für den Hochlauf der Phosphorrückgewinnung und praktikable Übergangslösungen
Frankfurt am Main, 21. August 2026 – Die Phosphorrückgewinnung aus Klärschlamm und Klärschlammasche steht vor einer entscheidenden Phase. Die Deutsche Phosphor-Plattform DPP e. V. spricht sich dafür aus, die Umsetzung der in der Klärschlammverordnung festgelegten Phosphorrückgewinnung konsequent voranzutreiben und den notwendigen Hochlauf zu beschleunigen.
Dabei ist klar: Bis 2029 werden noch keine flächendeckenden Rückgewinnungskapazitäten zur Verfügung stehen. Daraus darf jedoch nicht der Schluss gezogen werden, das Ziel zeitlich weiter nach hinten zu verschieben. Entscheidend ist vielmehr, endlich die Voraussetzungen für den weiteren Hochlauf zu schaffen und gleichzeitig praktikable Übergangslösungen für die Mengen zu ermöglichen, die vorübergehend noch nicht zurückgewonnen werden können.
Mit der Klärschlammverordnung wurde 2017 ein klarer Rahmen geschaffen: Phosphor soll künftig aus Klärschlamm/ Klärschlammasche (bzw. dem Abwasserpfad) zurückgewonnen und als Ressource wieder in den Wirtschaftskreislauf geführt werden. Damit wird ein wichtiger Beitrag zur Ressourcensicherung, zur Kreislaufwirtschaft und zur Verringerung der Abhängigkeit von importiertem Phosphor geleistet. Aus Sicht der DPP muss an diesem Ziel festgehalten werden. Die bestehenden Herausforderungen sind ein Auftrag zum Handeln – nicht zum Abwarten, wenn wir es mit der Kreislaufwirtschaft tatsächlich ernst meinen und einen Binnenmarkt für Rezyklate aufbauen wollen.
Für den weiteren Hochlauf braucht es Investitionen, konkrete Projekte und verlässliche Rahmenbedingungen. Technologien müssen unter realen Bedingungen eingesetzt und weiterentwickelt werden. Nur so können Erfahrungen gesammelt, Prozesse optimiert und die erforderlichen Kapazitäten aufgebaut werden.
Die Phosphorrückgewinnung ist technisch möglich. Gleichzeitig befinden sich verschiedene Verfahren in unterschiedlichen Entwicklungs- und Umsetzungsstadien. Die DPP spricht sich deshalb für einen technologieoffenen Hochlauf aus. Dabei sind die Verfahren zu berücksichtigen, die unter den jeweiligen Rahmenbedingungen technisch funktionieren, wirtschaftlich betrieben werden können und eine hochwertige Nutzung des zurückgewonnenen Phosphors ermöglichen. Kommunen, Kläranlagenbetreiber, Entsorgungsunternehmen, Anlagenbauer, Technologieentwickler und Investoren müssen verlässliche Rahmenbedingungen für ihre Entscheidungen vorfinden. Eine Verschiebung der gesetzlichen Anforderungen (oder auch ein Moratorium) würde aus Sicht der DPP hingegen ein falsches Signal setzen und den notwendigen Investitions- und Innovationsprozess bremsen.
Gleichzeitig braucht es für die Übergangsphase praktikable Lösungen, wobei Lagerung und Deponierung von Klärschlammaschen dabei eine ergänzende und zeitlich begrenzte Übergangslösung sein können. Sie dürfen jedoch nicht zum eigentlichen Ziel der Entwicklung werden. Priorität muss weiterhin die direkte Phosphorrückgewinnung und die Rückführung des Phosphors in den Wirtschaftskreislauf haben.
Ein weiterer zentraler Punkt ist der Marktzugang für die gewonnenen Phosphorrezyklate. Die technischen Verfahren können nur dauerhaft etabliert werden, wenn für die daraus entstehenden Produkte klare und praktikable rechtliche Rahmenbedingungen bestehen: auf europäischer Ebene schafft die EU-Düngeprodukteverordnung bereits Möglichkeiten für den Marktzugang entsprechender Produkte. Gleichzeitig sollte die deutsche Düngemittelverordnung zügig weiterentwickelt werden, damit geeignete Phosphorrezyklate auch auf nationaler Ebene rechtssicher und möglichst einfach zugelassen und eingesetzt werden können.
Die verbleibende Zeit sollte genutzt werden, um die bestehenden Herausforderungen gemeinsam zu lösen. Dafür braucht es einen kontinuierlichen Austausch zwischen allen Akteuren entlang der Wertschöpfungskette, etwas, was die DPP maßgeblich mit vorantreibt. Die DPP sieht dabei insbesondere die Bundesregierung in der Verantwortung, die verschiedenen rechtlichen, wirtschaftlichen und technischen Fragestellungen ressortübergreifend zusammenzuführen und die notwendigen Entscheidungen zeitnah zu treffen.
Die DPP setzt sich für einen Umsetzungsprozess ein, der am Ziel der Phosphorrückgewinnung festhält, Übergangslösungen ermöglicht und den Hochlauf von Rückgewinnungskapazitäten konsequent beschleunigt. Phosphor ist ein Schlüsselelement für die Ernährungssicherheit und eine wichtige Ressource, die wir nicht weiter ungenutzt verlieren dürfen. Phosphor darf nicht weiter verloren gehen, wenn er als Ressource zurückgewonnen und wieder in den Kreislauf geführt werden kann – in Deutschland und in ganz Europa.
Pressemitteilung DPP vom 21.08.2026/Frankfurt am Main — Die Pressemitteilung steht im Dokumentenbereich zum Download bereit.
Die Deutsche Phosphor-Plattform DPP e. V. hat zudem Anfang Juli eine Stellungnahme mit dem Titel „Nährstoffkreisläufe schließen – Versorgung sichern. Stellungnahme zur dringenden Beschleunigung der Phosphorrückgewinnung in Deutschland und zur konsequenten Umsetzung der Klärschlammverordnung“ an das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN), das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) sowie das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) verfasst. Die Stellungnahme steht ebenfalls im Dokumentenbereich zum Download zur Verfügung.
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