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Besuchsbericht zum Phosphordialog Bayern

Am 26.10.2017 fand in den Räumen des Bayerisches Staatsministeriums für Umwelt- und Verbraucherschutz (StMUV) der gemeinsam vom UmweltCluster Bayern und der Deutschen Phosphor-Plattform DPP organisierte „Phosphordialog Bayern“ statt. Über 70 Teilnehmer nahmen an der Veranstaltung teil und konnten sich im Laufe des Tages sowohl zur nun endlich geltenden Klärschlammverordnung informieren, als auch einen Einblick in bereits stattfindende Initiativen zur Klärschlammaufbereitung und Phosphorrückgewinnung informieren.

Nach der Begrüßung durch Frau Dr. Kratzer vom StMUV eröffnete Dr. Frank von der DPP mit einem Übersichtsvortrag, der nochmals deutlich machte, warum eine Phosphorrückgewinnung mindestens in Europa Sinn macht. Herr Dr. Lettenbauer – ebenfalls StMUV – stellte die Klärschlammverordnung vor und betonte insbesondere die politischen Mühen, die dieser Kompromiss mit sich brachte; unter anderem wurden noch über 40 Empfehlungen in der finalen Sitzung des Bundesrates besprochen und schließlich 38 davon umgesetzt. Vorausgegangen waren über 10 Jahre Verhandlungen im BMUB und den anderen involvierten Ressorts.MerkenMerken

Im zweiten Teil des Vormittags erwähnte Dr. Frank wie wichtig es ist, dass man sich der Phosphorrückgewinnung nicht alleine stellen sollte, sondern nach Möglichkeit dem Kooperationsgedanken Rechnung tragen sollte und mit möglichst vielen Akteuren den sinnvollsten Weg zur Umsetzung der Rückgewinnungspflicht angehen sollte. Singuläre Lösungen führten nicht zwangsläufig zu einem besseren Ergebnis. Des Weiteren führte er an, dass die DPP in den folgenden 20 Monaten so genannte „Fact-sheets“ zu den vielversprechendsten Verfahren der Phosphorrückgewinnung erstellen werde, die erstmals auf der kommenden IFAT vorgestellt werden. Das Ziel soll sein, alle vorhandenen Daten dahingehend aufzubereiten, dass sich sowohl Kläranlagenbetreiber, als auch Ingenieurbüros daran orientieren können, welches Verfahren für den jeweiligen Fall am idealsten einzusetzen wäre.

Frau Dr. Kazmierczak von der Fraunhofer Projektgruppe IWKS berichtete im Anschluss von einem Verfahren, dass mittels Magnetpartikel kleinste Phosphor-Konzentrationen beispielsweise aus dem Ablauf einer Kläranlage abtrennen kann. Mit einer im Anschluss erfolgten Struvit-Fällung könnte hier auch ein mögliches Produkt erzeugt werden. Die Partikel sind so konstruiert, dass sie im Kreislaufverfahren immer wieder eingesetzt werden können. Das Verfahren wird aktuell im Pilotmaßstab getestet.

Im Anschluss an die Mittagspause informierte Prof. Dr. Schaum von der Universität der Bundeswehr München über den aktuellen Stand der Rückgewinnungsverfahren und die Notwendigkeit, diese nun in die großtechnische Umsetzung zu überführen und nicht mehr mit der Neuentwicklung von Verfahren zu beginnen. Es seien genügend Möglichkeiten vorhanden, sowohl aus dem Schlamm, als auch aus der Asche Phosphor rückzugewinnen. Und aus der Vielzahl von über 45 verschiedenen Ansätzen sind für alle relevanten Ströme der Abwasserbehandlung Anlagen im Pilotmaßstab vorhanden. Es sei nun Aufgabe aller Beteiligten den Verfahren die Möglichkeit zu geben, sich zu
beweisen, so dass dann 2023, wenn die Frist zur Konzeptionierung der Phosphorrückgewinnung abläuft, sinnvolle Entscheidungen getroffen werden können, die ökonomisch und ökologisch Sinn machen.

Nach dem wissenschaftlichen Einblick zur Thematik Phosphorrückgewinnung aus Klärschlämmen gaben Herr Emter vom der Emter GmbH und Herr Knoll vom Zweckverband Thermische Klärschlammverwertung Schwandorf ZTKS einen Einblick in die Praxis. Herr Emter veranschaulichte die Tätigkeiten der Emter GmbH als mittelständischer Dienstleister für Kommunen im Bereich der thermischen Klärschlammverwertung. Neben der Verwertung realisiert die Emter GmbH bereits heute eine großtechnische Ressourcenrückgewinnung: Phosphor wird aus Klärschlammasche und Nitrat aus dem Konzentrat der Trocknung zurückgewonnen. Das Phosphat kann direkt als Düngemittel in die Landwirtschaft verbracht werden (Phosphatdünger aus der Verbrennung von Klärschlamm), bzw. als Ausgangsmaterial für Mehrnährstoffdüngemittel. Der als Ammoniumsulfat rückgewonnene Stickstoff kann als Düngemittel verwendet werden, oder als Harnstoffersatz in der Rauchgasreinigung eingesetzt werden.

Herr Knoll legte die Ergebnisse des Landkreises Schwandorf dar, die zur Gründung des ZTKS mit rein kommunalen Mitgliedern führten. Ziel war es, den bislang landwirtschaftlich ausgebrachten Klärschlamm auch weiterhin einer Nutzung zuzuführen und um ein regionales Klärschlammmanagement zu organisieren. Des Weiteren stellte Herr Knoll die Planungen für eine Klärschlammtrocknungsanlage vor, die durch den ZTKS gebaut und betrieben wird. Die Planungen begannen im Januar 2016 und die Inbetriebnahme ist für Dezember 2018 geplant. Der getrocknete Klärschlamm soll dann als Ersatzbrennstoff in der Zementindustrie eingesetzt werden. Ein Beispiel, das in kurzer Zeit die Realisierung von Projekten zur Klärschlammverwertung in regionalen Zusammenschlüssen möglich ist.

Die Veranstaltung fand großen Anklang bei unterschiedlichen Akteuren und Stakeholdern, KA Betreibern, Unternehmen, Ingenieurbüros und der öffentlichen Verwaltung, die in den nächsten Jahren mit der Umsetzung der neuen Klärschlammverordnung beschäftigt sind. Die einzelnen Diskussionen zeigten, dass das Thema hochaktuell ist und kontrovers insbesondere die technischen Lösungsansätze betrachtet und diskutiert werden. Ein anhaltender und vertiefender Dialog, der den unterschiedlichen Akteuren eine Plattform zum Austausch und zu zukünftigen Entwicklungen bietet ist für Bayern ein wichtiges Tool, um erfolgreich die Herausforderungen der neuen
Klärschlammverordnung gemeinsam zu meistern.

Fotoquelle: Umweltcluster Bayern

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